Vanessa X. goes eBook!

Nun steht es fest: Ich werde aus der Blog Fiction Vanessa X. ein eBook machen. Alle weiteren Infos dazu findet man in meinem Blog michaelmeisheit.de

Daher bitte nicht wundern, dass sämtlich Beiträge aus dem Jahr 2012 hier nicht mehr zu lesen sind – also das große Finale mit all seinen spannenden Wendungen und natürlich der Auflösung der Geschichte. Wer diese nun lesen möchte, muss auf das eBook warten! 

Wer sich nicht die Spannung verderben will, sollte auch die anderen Beiträge hier auf der Startseite nicht lesen. Um einen Eindruck von Vanessa X. zu bekommen, kann man hier die ersten Beiträge von Vanessa lesen – natürlich muss man unten mit dem Lesen beginnen. Das Tolle am nun entstehenden eBook ist, dass man dann nicht mehr hin- und herklicken und scrollen muss, denn dann hat man alles schön chronologisch als Roman vor sich liegen … 

Liebe Grüße 

Michael Meisheit

 

Soap

Tatsächlich werde ich immer noch oft auf Vanessa X. angesprochen und die Statistik zeigt, dass sich immer wieder Leute finden, die auch heute noch den ganzen Blog lesen. Das freut mich sehr. Bisher hat es leider keine neue Blogfiction gegeben. Dafür schreibe ich nun als Autor einen herkömlichen Blog über meine Arbeit: michaelmeisheit.de

In diesem Blog probiere ich eine Form der Interaktivität aus, die viel mit der Blogfiction gemeinsam hat: Ich arbeite quasi öffentlich an meinem Debütroman “Soap”, der noch in diesem Jahr erscheinen soll. Die Leser des Blogs können vorab Teile lesen und kommentieren, sich als Testleser bewerben, an Abstimmungen über diverse Themen teilnehmen usw. Sie werden den ganzen Prozess bis zur Veröffentlichung begleiten und mit Input versehen. Ganz bewusst gehe ich dabei nicht den herkömmlichen Weg über einen Publikumsverlag, sondern werden den Roman “auf eigene Faust” mit Hilfe des Internets veröffentlichen. Ein Experiment damit, wie weit die Möglichkeiten des Internets für einen Autor gehen. Ich freue mich über jeden, der diesen Prozess begleiten möchte – klickt doch einfach mal rein. 

Liebe Grüße

Michael Meisheit

DANKE!

Zum Schluss noch ein Wort vom Autor selbst: 

Vanessa X. hat nun ihr Glück gefunden. Ihr Blog sein Ende. Das ist aber nicht das Ende der Blogfiction. Ideen für die nächste Blog-Novela sind schon vorhanden. Es werde neue Figuren sein und eine neue Handlung, aber dasselbe Prinzip. Online geht das Ganze sobald ich mal wieder etwas mehr Zeit habe – sicher aber nicht vor Mai 2012. Informationen darüber wird man hier oder über die bekannten Kanäle bei Twitter und Facebook bekommen. Oder man meldet sich für den Newsletter an, den ich auch weiterhin für Informationen über die Blogfiction nutzen werde.

Ebenfalls über den Newsletter und auch auf allen anderen Wegen werde ich (hoffentlich in den nächsten Tagen) einen kleinen Fragebogen an die LeserInnen verschicken in der Hoffnung auf viele Antworten. Denn Vanessa X. war ja auch ein Experiment – etwas, das es in dieser Art noch nicht gegeben hat. Die Erfahrungen und Eindrücke von allen, die den Blog verfolgt (oder vielleicht irgendwann auch nicht mehr verfolgt) haben, sind für mich von großen Wert für neue Geschichten! Ich freue mich also über Reaktionen. 

Bleibt mir Dank zu sagen den Lesern und Leserinnen. Vor allem denen, die unermüdlich mitgefiebert und kommentiert haben. Für mich war es immer ein großer Spaß, die direkten Reaktionen lesen und auch einbauen zu können. Und ein ganz großes Dankeschön geht an meine Frau Yeşim, die nicht nur so manches Foto aus unserer Welt oder gar eine selbst erlebte Anekdote im Internet wiederfinden musste, sondern mir auch mehr als einmal den Rücken frei gehalten, um “mal eben noch” einen Eintrag schreiben zu können. DU bist diejenige, die von einem anderen Stern ist! 

 

Das war es also, liebe Leserinnen und Leser. Ich hoffe, wir hören bald wieder voneinander!

Liebe Grüße

Michael Meisheit 

Frohe Weihnachten

Wir sind, was Weihnachten angeht, eher traditionell. Der Weihnachtsbaum wird erst an Heilig Abend gekauft. Dann nachmittags aufgebaut, ohne dass Ben es mitbekommt. Und wenn der Kleine ins Wohnzimmer geführt wird, steht der leuchtende Baum da mit allen Geschenken darunter. So zumindest war gestern der Plan. Ben schlief seinen Mittagsschlaf. Konstantin ging extra später ins Restaurant, um noch Baum und Bescherung mitmachen zu können.

Der Baum ist mal wieder ein wenig schief. Das hat auch Tradition bei uns. Und liegt daran, dass wir in der Regel die letzten sind, die einen kaufen. Früher fanden wir das lustig. Als Konstantin gestern mit der schiefen Tanne ankam, musste ich allerdings nur seufzen. Damit war dann schon der Tonfall fürs Schmücken gesetzt. Ich war extrem gereizt. Aus irgendwelchen Gründen fällt es seit jeher MIR zu, die Lämpchen im Baum anzubringen, obwohl das wahrscheinlich die mühevollste Aufgabe überhaupt ist, zumindest wenn man so eine 50er-Lichterkette hat. Natürlich hatte Konstantin angeboten, die Aufgabe zu übernehmen, weil ich mit meinem dicken Bauch kaum noch in die Ecke hinter den Baum passe, aber dass er aus schlechtem Gewissen mittlerweile ALLES tut, stresst mich nur noch mehr. Also habe ich darauf bestanden, die Lichter selbst anzubringen. Ich hab es gehasst! Ich hab gewurschtelt und geflucht. Mit jeder gut gemeinten Anweisung oder Hilfestellung von Konstantin wurde es schlimmer. Das gipfelte schließlich so:
Konstantin (nett): „Schatz, du bist ein wenig rechtslastig.“
Ich (supergereizt): „Was?“
„Nichts, nichts!“
„Konstantin, sag es, wenn du was sagen willst!“
„Nicht wichtig. (murmelt) Auf DER Seite sind kaum Lichter!“
Ich hasse, es wenn er murmelt. Das macht er immer, wenn er unsicher ist.
„WAS?“
„Hier sind kaum Lichter!“
„Da komm ich ja noch hin!“
„Oh. Entschuldige!“
„Du musst dich nicht dauernd entschuldigen. Das nervt.“
„Tut mir leid. Sorry!“
„Hast du dich jetzt gerade dafür entschuldigt, dass du dich entschuldigt hast?“

Da war es irgendwie aus bei mir. Ich steh da mit Tannenzweigen im Gesicht hinter dem schiefen Baum,  hab höllische Rückenschmerzen, keine Ahnung, wie ich je wieder mit dem Lämpchenkabel bei der Steckdose rauskommen soll und Konstantin steht mit diesem „Bitte-hab-mich-wieder-lieb“-Gesicht vor mir, das ich sowieso immer schon schrecklich fand. Das aber im Moment sowas von überflüssig ist. Denn: „Ich hatte auch `ne Affäre!“

Das habe ich allerdings nicht nur gedacht. Das hab ich gesagt. Ziemlich aggressiv. Zu Konstantin. Er versteht sofort, dass es mir ernst ist. Schaut mich fassungslos an.
„Ja, verdammt nochmal. Du bist nicht der Einzige. Aber du hattest deine Affäre zuerst.“
„Mit deinem Chef?“
Ich seufze, was wie ein „Ja“ klingen muss. Da schlägt das Babyfon an. Ben ist wach. Und der Baum nicht mal fertig. Konstantin wird sehr ruhig, schaltet von „Verzeih-mir“ ganz schnell auf „Du-bist-ein-Wurm“ um. Was ihn vom Gesichtsausdruck her sehr viel attraktiver macht, aber entspannt ist die Situation trotzdem nicht. Er sagt:
„Ich lenk Ben ab. Du machst den Baum fertig.“

So haben wir es dann gemacht. Es gab selten ein Geschenke-Austauschen und Weihnachtsessen, das heuchlerischer war. Wegen Ben haben wir uns beide unendlich zusammen gerissen. Und ich hab am Abend nicht einmal protestiert, als Konstantin ein paar Sachen zusammen gepackt hat, um zu Ingo zu gehen. Dort hat er übernachtet. Heute habe ich ihn noch nicht gesehen.

Noch wieviel mal schlafen?

Eigentlich ist die Woche vor Weihnachten IMMER super anstrengend. Aber diesmal kommt zu der Einkauferei, Planerei und Fragerei („wieviel mal noch schlafen?“) hinzu, dass bei uns gerade NICHTS stimmt. Die ganze Familie ist wie gelähmt. Konstantin ist aus Ärger darüber, dass ich (und nicht er) mit Ben zum Fußball gegangen bin, mit seiner gar nicht mal so attraktive Kellnerin ins Bett gehüpft. Ich wusste das nicht, hab aber trotzdem meinerseits eine Affäre mit Malo angefangen. Streng genommen, hatte Konstantin seine Affäre zuerst. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach unserem Streit. Bei mir fing sie erst Mittwochnachmittag an. Dafür ging meine fast zwei Wochen. Und ich … ja, ich empfinde wirklich etwas für den Mann, mit dem ich die Affäre habe. Was man von Konstantin und seiner Uschi nicht sagen kann. Ihm ist die Geschichte einfach nur wahnsinnig peinlich. Und er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ich ihm vergebe und dass alles „wie früher“ ist. Das sagt er ständig. Das Dumme: „Früher“ war nicht alles gut. Wir hatten eine Menge Probleme und mir ist erst durch das Auftauchen von Malo bewusst geworden, wie es sein kann. Wie ein Mann sein kann. Wie ein Gefühl sein kann. Trotzdem habe ich Malo auf Distanz geschoben. Er hat daran zu knabbern. Akzeptiert es. Ich hab daran zu knabbern. Kann es nicht mehr länger akzeptieren. Denn ich bin gerade verdammt einsam. Und das ist nicht nur doof, weil morgen Weihnachten ist. Und auch nicht nur, weil ich in knapp zwei Monaten ein Kind erwarte. Einsam sein, obwohl man von lauter Menschen umgeben ist, ist IMMER beschissen.

Ich werde mit Konstantin reden. Sofort nach Weihnachten. Und ihm endlich von Malo erzählen. Denn es wird so oder so passieren. Und je länger ich es aufschiebe, desto mehr wird Konstantin sauer sein, dass ich ihn hab schmoren lassen. Vor Weihnachten ist es doof. Die Aussprache wird Konsequenzen haben und die sollen Ben nicht die Feiertage versauen, auf die er sich mit jedem geöffneten Törchen mehr freut. Außerdem müht Konstantin sich so dermaßen ab. Er hat sich den Heilig Abend frei genommen, um uns am Abend mit seiner Niedrig-Temperatur-Gans zu verwöhnen. An den Weihnachtsfeiertagen muss er dann arbeiten – das sind wirklich die wichtigsten Tage im Restaurant. Also Dienstag. In vier Tagen.

Janine

Ich hab sie mir angeschaut. Janine. Ich hab’s tatsächlich getan. Gestern hatte sich Konstantin extra frei genommen, um zu Hause zu kochen und um „für uns da zu sein“. Ich bin dann einfach gegangen. Wollte meine Ruhe. Er denkt natürlich, weil ich sauer und verletzt bin wegen seiner Affäre. Ich bin aber verwirrt und beschämt wegen MEINER Affäre. Klar, auch verletzt. Sonst wäre ich ja nicht zum Restaurant gegangen. Ich hab mich draußen im Dunklen vors Fenster gestellt und gewartet, bis sie auftaucht. Sie dann die ganze Zeit angestarrt, als ob mir das dabei helfen würde zu entscheiden, wie es jetzt weiter gehen soll. Hat es nicht. Und sie … Na ja. Dummerweise hat Ingo mich gesehen – bei seiner Zigarettenpause. Er ist nicht nur Konstantins Koch, sondern auch sein bester Freund. Ich hab gemacht, dass ich davon komme, aber natürlich wird er es Konstantin längst gesagt haben. Dass ich da war. Und sie mir angeschaut habe.

Die Beichte

Eigentlich wollte ich ja gestern schon von dem großen Beicht-Gespräch mit Konstantin berichten, aber ich war noch bei einer lieben Freundin, die letzte Woche ihre Tochter bekommen hat. Was echt gut getan hat. Nicht nur wegen der vielen Glückshormone, die da in der Luft herumwaberten, sondern auch um nicht aus den Augen zu verlieren, dass wir auch eine Geburt vor uns haben. Eins der größten Wunder überhaupt und ein wahnsinnig anstrengendes, aufreibendes Ereignis dazu. Dafür brauchen wir alle – auch der Vater – unsere Kräfte. Diese „Erkenntnis“ macht es mir echt etwas leichter, mit dem klarzukommen, was bei unserem Gespräch am Montag passiert ist. Das ging so:

„Konstantin, wir müssen reden.“
Eigentlich hasse ich solche Sätze, aber es war selten richtiger als in dem Moment. Seine Antwort: Weggucken. Es ist Abend. Er macht uns an seinem freien Tag in der Küche eine Kleinigkeit zu essen. Da er Küche und Kochen so liebt, halte ich das für den besten Zeitpunkt, um wegen meiner Affäre mit Malo reinen Tisch zu machen.
„Es geht so nicht weiter, Konstantin. Du hast seit zwei Wochen kein normales Wort mit mir geredet. Du läufst immer weg. Du … Ben leidet darunter. Das wissen wir beide.“
Er schaut mich an. Unsicher. Gerade das Thema Ben ist ihm nicht egal. Das weiß ich. Es funktioniert. Ich kann förmlich sehen, wie sich in ihm etwas aufbaut. Ja, ich bin mir sicher: Gleich werden die Vorwürfe aus ihm herausplatzen. Wird endlich ausgesprochen, was wir beide längst wissen. Dann sagt er es:
„Ich hatte was mit Janine.“
Häh? Janine? Was?
„Es tut mir wahnsinnig leid, Vanessa. Ich war so … verletzt und … Ich weiß auch nicht … Ich komm mir so schäbig vor. Ich: Es tut mir leid. Ich steh nicht mal wirklich auf die.“
„Moment, Moment. DU hattest „was“ mit … wem?“
„Mit Janine. Die Kellnerin, die wir seit dem Sommer haben. Die Dunkelhaarige, die diese Schuhe anhatte, die du so mochtest.“
DARAN erinnert er sich? Was ist denn hier los?
„Und was genau hattest du mit der?“
„In der Nacht … nachdem wir uns wegen Fußball und so … gestritten hatten … Ich wollte nicht nach Hause, nach der Arbeit. Wir waren noch was trinken. Sie hat mich zu sich eingeladen. … Es tut mir leid.“
Er ist ein totales Wrack. Ein schuldüberladendes kleines Bündel Mann. Und ich? Ich bin einfach nur …
„DESWEGEN redest du seit zwei Wochen nicht mit mir?“
„Ich weiß. Ich bin ein … Ich werd nie erwachsen.“
„Nein, ich mein: Das ist alles?“
„Was soll denn NOCH sein?“
„Wir hatten uns doch total gestritten. An dem … Montag.“
„Ja, weil du mit Ben beim Fußball warst.“
„Du hast mir eine Affäre mit meinem Chef vorgeworfen.“
Er schaut mich gequält an.
„Das tut mir leid, Vanessa. Wirklich. Ich wollte dir irgendwie weh tun. Das war albern. Ich … Ich will dich nicht verlieren!“
Jetzt wirkt er ziemlich verzweifelt.
„Du warst … einzig und allein sauer, weil ich und nicht Du mit Ben sein erstes Mal im Fußballstadion erlebt habe. DESWEGEN schläfst du mit einer anderen Frau?“
Er nickt beschämt.
„Ingo meint auch, ich würd’s übertreiben.“

Ich hab dann das Gespräch einfach beendet. Und bin seitdem in so einer Art Schockstarre. Auf gleich mehreren Ebenen. Konstantin ist total reizend und lieb. Kümmert sich um mich und Ben, wo er nur kann. Malo habe ich auf Abstand geschoben. Und, na ja … Was jetzt?

Heimspiel

Jetzt dreht Konstantin komplett durch. Er ist gerade beim Fußball. Im Stadion. Mit Ben!! Bei unserer kurzen Begegnung am Morgen fand ich seine Ansage bereits etwas merkwürdig: Ich soll doch bitte dafür sorgen, dass Ben so gegen Sieben zu Hause ist. Was eigentlich eine sinnlose Ansage ist, weil a) Ben IMMER um sieben Uhr zu Hause – denn da essen ich mit ihm. Und b) Konstantin Freitagabends nie und nimmer NICHT im Restaurant sein kann. Das ist mit Samstag der wichtigste Abend für den Laden, da tobt der Bär. Entsprechend gestaunt habe ich, als Konstantin vorhin auf der Matte stand. Punkt Sieben. Mit verbissener Miene verkündet er:
„Ich gehe jetzt mit Ben zur Hertha!“

Ich dachte, ich spinne. Er hat sich nicht nur extra deswegen frei genommen, nein, er zerrt das arme Kind bei dem Wetter zu seiner Schlafenszeit ins Stadion! Und was ist seine Antwort, nachdem ich ihm wortreich und ziemlich aufgebracht erklärt habe, wieso er das seinem Sohn unmöglich antun kann, und ihn anflehe, dann doch wenigstens irgendwann nachmittags zu gehen:
„Das geht nicht. Heute ist das einzige Heimspiel dieses Jahr.“

Als ob DAS alles erklären würde. Obwohl, wenn ich ehrlich bin: Es erklärt es. Konstantin BRAUCHT das einfach. So schnell wie möglich. Es geht natürlich nicht um Ben. Es geht um eine Widerherstellung seines Status’ als Vaters, Herthafans und besonders als Mann. Malo scheint ihm mit unserem überraschenden Stadionbesuch etwas weggenommen zu haben. Und irgendwie ist das für ihn jetzt das Symbol für die Affäre. Und er … Ach ich weiß auch nicht. Das klingt so verquast. Ehrlich gesagt habe ich Konstantin noch nie so wenig verstanden wie gerade jetzt.

Oh, sie kommen gerade heim. Viel zu früh.

Ben ist auf Konstantins Arm eingeschlafen. Er sah ziemlich verheult hat aus. Konstantin war extrem verbissen und fast ohnmächtig vor Wut. Er hat den Kleinen schlafend umgezogen, ins Bett gelegt und ist dann abgehauen. Ins Restaurant vermute ich. Oh je. Es tut mir weh, Konstantin so zu sehen. Es kann so nicht weitergehen.

Hotel

Es ist zwar nicht so, dass ich diese Worte auf dem nackten Po meines Geliebten schreibe, aber immerhin bin ich in seinem Hotelzimmer und trage unter dem flauschigen Bademantel nichts. Hah!

 

Malo duscht gerade. Ich sitze an seinem hypermodernen und sicher sündhaft teurem Laptop. Und mir ist alles egal. Eigentlich sollten wir ja gerade bei der Arbeit sein, aber die haben wir ja eh nur erfunden, um meinen Mann zu verarschen. Also können wir das Ganze auch in Malos Hotelzimmer verlegen, was wir seit drei Tagen tun. Und wir sind NICHT hier, um Filme zu gucken. Ich würde mir so sehr wünschen, dass all das NIE aufhört, aber ich weiß natürlich, dass die Realität anders aussieht. Die Realität sehe ich jeden Morgen. Meistens nur kurz im Flur oder an der Wohnungstür, wo das Wichtigste besprochen wird. Dann bringe ich Ben in den Kindergarten und gehe zur „Arbeit“. Wenn ich Nachmittags nach Hause komme, ist Konstantin dann schon im Restaurant. Und wenn er sehr, sehr spät nachts heimkehrt, schläft er sowieso im Wohnzimmer. Falls er überhaupt schläft. Ich glaube, er spielt tatsächlich meist noch ein oder zwei Stunden FIFA 12. Also … Selbst wenn ich wollte, wir könnten gar nicht reden.

Die Affäre

Okay, okay, irgendwann MUSS ich ja mal wieder etwas schreiben. Auch wenn es gerade alles total chaotisch ist. Eigentlich nicht einmal chaotisch. Es ist … verdreht irgendwie. Aber gerade habe ich etwas Zeit und Ruhe, weil Konstantin und Ben nicht da sind. Warum? Weil heute der „Papa-Tag“ ausgerufen wurde und Konstantin nach dem Frühstück ohne weitere Erklärungen mit Ben abgedüst ist. Würde mich nicht wundern, wenn er mittlerweile mit meinem Sohn in Teheran ist. Denn Konstantin ist nach wie vor unfassbar sauer und distanziert. Aber: Ich weiß nicht einmal genau, weswegen. Weil wir nämlich nicht reden.

Ja, es ist etwas mit Malo passiert. Am Mittwoch im Büro. Ich hoffe, dass jetzt keiner erwartet, dass ich hier ausführlich über mein Sexleben berichte. Das ist echt nicht meine Art. Es war auch irgendwie … nicht von dieser Welt. Und das ist jetzt mal ausnahmsweise keine Referenz auf Malos Herkunft. Und nein, es ist in dem Bereich alles wie bei uns. Oh Gott, jetzt schreibe ich ja doch darüber. Nur so viel: Es ist sehr plötzlich passiert. Eben noch hat er mich getröstet wegen der Situation zu Hause. Dann lagen wir plötzlich halbnackt auf der „Besucher-Couch“, deren Anschaffung ironischerweise ich bei der Einrichtung des Büros vorgeschlagen hatte – ohne jegliche Hintergedanken.  Dachte ich zumindest. Ich kann da jetzt wirklich nicht mehr drüber sagen. Das geht niemanden etwas an.

Konstantin weiß es nicht. Klar, er hat vorher spekuliert, dass da was mit Malo läuft. Und letztlich bin ich genau deswegen in Malos Armen gelandet. So ne Art Self-Fulfilling-Prophecy. Aber eigentlich war sich Konstantin gar nicht sicher, konnte es auch nicht sein. Und ich bestreite es nach wie vor. Warum? Weil ich weiß, was passiert, wenn ich die Wahrheit sage. Konstantin wird nicht in Frage stellen, was bei uns alles falsch läuft. Es wird nun noch um „die Affäre“ gehen. „Die Affäre“ ist aber nicht der Auslöser für unsere Probleme. Die Affäre ist ein Symptom.

Und der größte Witz: Es ist ja gar keine richtige Affäre. Es ist einmal etwas passiert. Und ich war so erschrocken darüber, dass es garantiert nicht wieder passieren wird. Als Malo mich am Ende der Arbeit am Mittwoch fragte, ob ich nicht abends zu ihm ins Hotel kommen will. Da war Schluss. Mich in das Hotel von einem Kerl schleichen, während mein Mann bei der Arbeit ist? Geht’s noch? Mir ging’s echt nicht gut damit. Ne, also … Malo ist zwar auch sichtlich verwirrt durch die Ereignisse, aber ich KANN jetzt nicht weiter mit ihm darüber reden. Auch wenn sich alles in mir nach einer Berührung von ihm sehnt. Seufz.

So ist also der Stand der Dinge: Konstantin redet seit Tagen nicht mehr als das Nötigste mit mir. Ich sage ihm nicht, was passiert ist. Und rede nicht mehr als das Nötigste mit Malo. Wo das alles hinführen soll? Ich weiß es nicht.