Die Beichte

Eigentlich wollte ich ja gestern schon von dem großen Beicht-Gespräch mit Konstantin berichten, aber ich war noch bei einer lieben Freundin, die letzte Woche ihre Tochter bekommen hat. Was echt gut getan hat. Nicht nur wegen der vielen Glückshormone, die da in der Luft herumwaberten, sondern auch um nicht aus den Augen zu verlieren, dass wir auch eine Geburt vor uns haben. Eins der größten Wunder überhaupt und ein wahnsinnig anstrengendes, aufreibendes Ereignis dazu. Dafür brauchen wir alle – auch der Vater – unsere Kräfte. Diese „Erkenntnis“ macht es mir echt etwas leichter, mit dem klarzukommen, was bei unserem Gespräch am Montag passiert ist. Das ging so:

„Konstantin, wir müssen reden.“
Eigentlich hasse ich solche Sätze, aber es war selten richtiger als in dem Moment. Seine Antwort: Weggucken. Es ist Abend. Er macht uns an seinem freien Tag in der Küche eine Kleinigkeit zu essen. Da er Küche und Kochen so liebt, halte ich das für den besten Zeitpunkt, um wegen meiner Affäre mit Malo reinen Tisch zu machen.
„Es geht so nicht weiter, Konstantin. Du hast seit zwei Wochen kein normales Wort mit mir geredet. Du läufst immer weg. Du … Ben leidet darunter. Das wissen wir beide.“
Er schaut mich an. Unsicher. Gerade das Thema Ben ist ihm nicht egal. Das weiß ich. Es funktioniert. Ich kann förmlich sehen, wie sich in ihm etwas aufbaut. Ja, ich bin mir sicher: Gleich werden die Vorwürfe aus ihm herausplatzen. Wird endlich ausgesprochen, was wir beide längst wissen. Dann sagt er es:
„Ich hatte was mit Janine.“
Häh? Janine? Was?
„Es tut mir wahnsinnig leid, Vanessa. Ich war so … verletzt und … Ich weiß auch nicht … Ich komm mir so schäbig vor. Ich: Es tut mir leid. Ich steh nicht mal wirklich auf die.“
„Moment, Moment. DU hattest „was“ mit … wem?“
„Mit Janine. Die Kellnerin, die wir seit dem Sommer haben. Die Dunkelhaarige, die diese Schuhe anhatte, die du so mochtest.“
DARAN erinnert er sich? Was ist denn hier los?
„Und was genau hattest du mit der?“
„In der Nacht … nachdem wir uns wegen Fußball und so … gestritten hatten … Ich wollte nicht nach Hause, nach der Arbeit. Wir waren noch was trinken. Sie hat mich zu sich eingeladen. … Es tut mir leid.“
Er ist ein totales Wrack. Ein schuldüberladendes kleines Bündel Mann. Und ich? Ich bin einfach nur …
„DESWEGEN redest du seit zwei Wochen nicht mit mir?“
„Ich weiß. Ich bin ein … Ich werd nie erwachsen.“
„Nein, ich mein: Das ist alles?“
„Was soll denn NOCH sein?“
„Wir hatten uns doch total gestritten. An dem … Montag.“
„Ja, weil du mit Ben beim Fußball warst.“
„Du hast mir eine Affäre mit meinem Chef vorgeworfen.“
Er schaut mich gequält an.
„Das tut mir leid, Vanessa. Wirklich. Ich wollte dir irgendwie weh tun. Das war albern. Ich … Ich will dich nicht verlieren!“
Jetzt wirkt er ziemlich verzweifelt.
„Du warst … einzig und allein sauer, weil ich und nicht Du mit Ben sein erstes Mal im Fußballstadion erlebt habe. DESWEGEN schläfst du mit einer anderen Frau?“
Er nickt beschämt.
„Ingo meint auch, ich würd’s übertreiben.“

Ich hab dann das Gespräch einfach beendet. Und bin seitdem in so einer Art Schockstarre. Auf gleich mehreren Ebenen. Konstantin ist total reizend und lieb. Kümmert sich um mich und Ben, wo er nur kann. Malo habe ich auf Abstand geschoben. Und, na ja … Was jetzt?

2 thoughts on “Die Beichte

  1. Hääääääääääääääääääää?

    Also damit hätte ich ja jetzt überhaupt nicht gerechnet! Was machst Du denn jetzt? Auch beichten oder jetzt lieber doch nicht? Beziehung mit Konstantin beenden oder Malo in den Wind schießen?

    Nee, also ich wüsste jetzt wirklich überhaupt nicht, was ich in dieser Situation tun sollte. Wie geht es Dir denn damit? Ich meine, verstört Dich das? Bist Du eifersüchtig, verletzt es Dich oder bist am Ende sogar erleichtert?

    Bin gespannt, wie es weiter geht!
    Liebe Grüße
    Melisa

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